Yoga und ein nachhaltiges Leben?

Theorie & Realität

Ist ein nach yogischen Prinzipien ausgerichtetes Leben ein nachhaltiges?

In vielen Punkten: Ja.

Vor allem die Yamas und Niyamas – ethische Regeln aus dem Yoga zur Lebensführung im Umgang mit sich selbst und anderen – gehen Hand in Hand mit Zielen der Nachhaltigkeit und den Prinzipien eines bewussten Lebensstils.

Ein einfaches aber gutes und erfülltes Leben steht im Mittelpunkt beider Konzepte. Ein Leben, das nicht auf Kosten anderer und unserer Umwelt egoistische Ziele verfolgt und kurzfristiges Glück durch (Über-) Konsum sucht.

Die ethischen Grundlagen des Yoga

Das sind zehn Leitgedanken zur Lebensführung und stammen aus einem der ältesten und bekanntesten Werke zum Yoga – den Yoga Sutras von Patanjali.

Der indische Gelehrte beschrieb darin den achtgliedrigen Pfad, auch Ashtanga genannt [asht = Acht; anga= Glied(maßen)]. 

Dieser klassische Ashtanga hat nichts (mehr) mit dem körperlich fordernden Hatha-Yoga Stil Ashtanga-Vinyasa zu tun, wie er heute im Westen oft unterrichtet wird. Auch wenn eine der Stufen Asana ist, bei Patanjali wird damit „nur“ der Meditationssitz gemeint.

Diese Glieder sind auch nicht wie eine Treppe zu verstehen, die man stufenweise erklimmt, sie müssen gleichzeitig geübt und integriert werden. Besonders die ersten beiden Stufen „Yamas & Niyamas“ bilden das ethische Fundament, das jedoch in der heutigen Yogapraxis oft zu kurz kommt.

Zum achtgliedrigen Pfad lese den Blogbeitrag:

Steinstatue Dewi Tara

Yamas & Niyamas:

Die Yamas sind Regeln zum Umgang mit anderen

1. Ahimsa (Nicht-Verletzen, Gewaltfreiheit)

2. Satya (Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit)

3. Asteya (Nicht-Stehlen, Rechtschaffenheit)

4. Brahmacharya (spirituell leben, kein sexuelles Fehlverhalten)

5. Aparigraha (Mäßigung der Genüsse, Unbestechlichkeit)

Die Niyamas sind Regeln im Umgang mit sich selbst

1. Saucha (Reinheit, innerlich & äußerlich)

2. Santosha (Zufriedenheit kultivieren)

3. Tapas (Disziplin, Zielstrebigkeit, verzichten können)

4. Swadhyaya (Selbststudium & Lesen heiliger Schriften)

5. Ishwara-pranidhana (Hingabe an etwas Höheres)

Spannende Parallelen: Yoga, Ethik & Nachhaltigkeit

Irgendwie erinnert es schon ein wenig an die christilchen Gebote, oder? Seit ich mich mit alten Philosophien und Lehren befasse, stelle ich immer öfter fest, dass es große Parallelen gibt zwischen verschiedenen Ansätzen aus verschiedenen Epochen und ganz verschiedenen Orten auf der Welt. Für mich ist das wie ein Zeichen, dass es so falsch ja nicht sein kann 😊

Was ich dann in meinem Studium der Umweltwissenschaften im Bereich nachhaltiger Konsum und Lebensstile festgestellt habe: auch hier gibt es wunderbare Synergien zwischen diesen alten Lehren und einem zukunftsfähigen Lebensstil.

Wen wir die 10 Aspekte zusammennehmen, ergibt sich ein friedvoller, bescheidener Lebensstil, der Tugenden vereint, auf eine Gemeinschaft statt aufs Ego ausgerichtet ist und über einen selbst hinausweist.

So oder ähnlich lesen sich heute nicht nur viele Glücksratgeber oder christliche Ethik, sondern auch Vorstellungen von einem zukunftsfähigen Lebensstil, der in den ökologischen und sozialverträglichen Grenzen bleibt und auch zukünftigen Generationen nicht die Möglichkeiten der guten Lebensführung nimmt.

Dabei entfaltet gerade das uneigennützige und simple Leben innere Zufriedenheit, ganz im Gegensatz zu dem, was uns heute in Werbung und sozialen Medien suggeriert wird: wir müssten immer mehr haben und erleben, um glücklich zu sein.

Nachhaltigkeitskonzepte & Yoga

In den Nachhaltigkeitswissenschaften und Graswurzelbewegungen könnte man die  Leitgedanken eines guten und sinnstiftenden Lebensstils wie folgt beschreiben:

Gut leben statt viel haben. WAS brauche ich wirklich? Konzepte wie Minimalismus als Befreiung vom Überfluss, bieten Orientierung.

Das richtige Maß. WIE VIEL ist genug? Unsere Bedürfnisse befriedigen und die ökologischen Grenzen des Konsums auf unserer Erde achten ist langfristig sinnvoll.

Bedürfnisse ökologisch befriedigen. WIE tue ich etwas? Muss ich z.B. alles selbst besitzen, was ich benötige? Leihen, Tauschen, Teilen oder gebraucht kaufen sind Ansätze von zukunftsfähigen Konsumgewohnheiten.

Gerechtigkeit. Wie können heute gut leben, dass alle heutigen und künftigen Generationen auch gut leben können? Wenn wir auf Bioprodukte achten erhalten wir die Fruchtbarkeit der Erde, wenn wir aus Fairem Handel kaufen, unterstützen wir Menschen heute, die sonst nicht gut leben können, obwohl sie für uns Nahrung, Kleidung und Rohstoffe herstellen oder abbauen.

Das sind allgemeine Grundsätze, die aber auf viele Bereiche angewendet werden können und wunderbar mit den ethischen Vorstellungen des Lebens aus dem Yoga Sutra zusammenpassen – oder?

Ich finde „sein statt haben“ auch einen schönen Satz. Ich mag diesen Ausspruch besonders, denn er betont das Kostbarste in unseren Leben. Das ist nichts Materielles, sondern das Leben an sich.

Natürlich gibt es aus dem Yoga weitere Aspekte, die gut zu den Zielen der Nachhaltigkeit passen, wie:

Einfach leben – erhaben denken. Mit diesem Zitat drückt Swami Sivananda das „sein statt haben“ auf seine Weise aus.

Nicht-Anhaften an Dinge. Das Prinzip nennen wir Vairagya. Als Eigenschaft eines spirituellen Schülers, soll uns bewusst sein, dass nichts das wir besitzen uns wahrhaft definiert und wir auch im Prinzip nichts Äußeres benötigen, um die Ziele des Yoga zu erreichen.

~ Materielles spendet auch kein dauerhaftes Glück. Im Yoga versuchen wir zu Erkennen was vergänglich ist. Als Viveka bezeichnen wir die Unterscheidungskraft zwischen Vergänglichem und Ewigem. Nichts in der Welt bleibt ewig, alles was lebt, stirbt irgendwann. Nur das Lebensprinzip selbst als höchste Kraft im Universum (Gott) bleibt immer erhalten.

Karma-Yoga. Dieser Yoga geht den Weg des uneigennützigen Handelns. Durch Gutes tun und dem Guten dienen, werden wir schnell die Erkenntnis erlangen.

Das kann im Einzelnen noch viele konkrete Aspekte enthalten, wie das Thema Ernährung, das ich in diesem Artikel beleuchtet habe:

Der Blick in die Realität: Yoga im Westen

Ein kleiner Selbsttest: Woran denkst du zuerst, wenn du „Yoga“ hörst?

– Yogaretreat auf Bali?

– Neue, stylische Yogaklamotten?

– Schweißtreibendes Workout oder

– Entspannende Gymnastik?

Der westliche Yoga ist zu einem Wellnessangebot geworden – kommerzialisiert und zu einem gut vermarktbaren Produkt reduziert. Optimal für modernes Self-Care und Anti-Stress aber entfernt von seiner ethischen Tiefe. Das läuft nicht nur ernsthafter Yogapraxis sondern auch einem nachhaltigen Lebensstil zuwider – trotz plastiksparender Trinkflasche und Bio-Yogamatte.

Wenn die tiefere Auseinandersetzung mit dem Ursprung dieser Praxis fehlt, wird Yoga vom eigentlichen Sinn entwurzelt. Manche kritisieren das als kulturelle Aneignung.

Fazit?
Ein Yoga, das zu sehr auf das individuelle Wellbeing ausgerichtet ist hat wenig mit ernsthafter Praxis zu tun. Die in meinen Augen heute ebenso den Gedanken der Nachhaltigkeit umfassen muss, wenn wir den ethischen Grundsätzen in unserer modernen Welt folgen wollen.

Genau da setzt Dark & Light Yoga an. 

Ich unterrichte ein authentisches, ganzheitliches Yoga-System, das natürlich den Körper stärkt und entspannt, dabei aber auch die alte Philosophie für unser modernes Leben nutzbar vermittelt. Eine moderne Spiritualität verbunden mit einer nachhaltigen Lebensführung, die zeitlos und universell ist – genau das, was wir heute in meinen Augen dringend brauchen.

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