05 Okt. Meistere Veränderungen mit Leichtigkeit:
4 Wege, wie Yoga dir in herausfordernden Zeiten hilft.
2010 wurde ich betriebsbedingt gekündigt, weil die Firma, für die ich gerade angefangen hatte, ihre Investoren verlor. Diese unerwartete Wendung fühlte sich an, als würde meine ganze Zukunft den Bach runtergehen. Ich war echt sauer und fühlte mich vera**. Rückblickend kann ich diese Erfahrung als Impuls ansehen, der mich auf den Weg zur Expertin für nachhaltige Lebensstile brachte. Aber trotzdem möchte ich das nicht nochmal durchmachen.
Veränderungen sind unvermeidlich, das wissen wir alle. Die Dinge, die wir jetzt besitzen, werden irgendwann wieder verschwinden. Wir erleben große und kleine Umbrüche, manchmal fühlen wir uns eine Zeit lang sicher, aber alles ist im Fluss.
Erst durch meine Yoga-Praxis ist mir überhaupt bewusst geworden, wie ich mental und körperlich auf Veränderungen reagiere. Und dass ich EINE Sache in der Hand habe: ich kann Akzeptieren, dass es so ist. Die Zyklen im Leben annehmen, anstatt dagegen anzukämpfen und mich durch sie wie ein Spielball hilflos ausgeliefert zu fühlen. Das hat mein Leben viel leichter und entspannter gemacht, trotz (unschöner) Veränderungen.
Oft fühlen Umbrüche sich auch schmerzhaft und beängstigend an, auch wenn wir wissen, dass sie vorübergehen. Rückblickend sind es oft solche Erfahrungen, die uns (spirituell) weitergebracht haben. Damit wir aber auch in den akuten Situationen etwas in der Hand haben, was unterstützt, habe ich aus der Yogabrille einmal ein paar Sachen zusammengetragen:
Yoga brille
Dass ich plötzlich ohne Job dastand, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich wünschte, ich hätte damals schon die Stabilität und den inneren Anker gehabt, den ich heute durch meine Yogapraxis gefunden habe.
Yoga hat mir gezeigt, dass mein Inneres nicht durch äußere Umstände bestimmt werden muss und dass ich einen höheren Standpunkt einnehmen kann. Vor allem habe ich erfahren, dass ich die Zyklen des Lebens annehmen kann und auch Phasen des „Verfalls“ und der Auflösung dazugehören. Diese haben wie gesagt auch wichtige (spirituelle) Funktionen im Leben.
Dabei ist mir eins wichtig zu betonen:
So Sprüche wie: „alles wird wieder gut“ können in schlimmen Phasen ganz schön triggern. Denn leider sind unsere Verluste ja meistens irreversibel – wir kommen nie zu einem Ausgangspunkt zurück. Die Zeit kann nicht zurückgedreht werden. Es kann aber bedeuten: „es wird anders sein aber auch das ist in Ordnung.“
Wirklich anzunehmen, dass das Leben eine Reise ist, auf der sich stets alles ändert, hat eine Freiheit und Leichtigkeit in mir entfesselt, die ich meinem damaligen Ich gern zusenden würde.
Die Herausforderung von Veränderungen
Es liegt wohl an unserem Gehirn, das noch im Steinzeit-Modus unterwegs ist und jede Veränderung als potenzielle Bedrohung sieht. Selbst positive Veränderungen wie neue Gewohnheiten oder Ziele stressen uns. Unser Gehirn bevorzugt den bekannten, einfachen Weg. Daran ist wenig zu machen. Doch wir können lernen, unsere Reaktion auf Veränderungen zu erkennen und unsere Sichtweise zu ändern, indem wir Techniken nutzen, um das bewusst zu machen und besser damit umzugehen.
Veränderungen wirken sich auf vielen Ebenen aus – emotional, geistig und körperlich. Ich habe im Laufe der Jahre durch meine Yogaausbildungen und meine eigene Praxis gelernt, diese Ebenen gezielt anzusprechen und so mit Veränderungen entspannter umzugehen.
4 Wege, wie Yoga dich unterstützt
1 Körperliche Ebene: Entspannung durch Asanas
Veränderungen sind Stress und dabei zieht sich alles zusammen, der Körper macht sich bereit für Flucht oder Kampf. Kommen keine gegenteiligen Impulse, wird es auf Dauer ungesund. Yoga hilft, Stress auf körperlicher Ebene abzubauen. Körperhaltungen und sanfte Bewegungen entspannen Muskeln und fördern das Loslassen von Spannungen. Yoga nutzt gezielt die physischen Entspannungsgesetzte:
– Muskeln, die mindestens 5 Sekunden angespannt werden, können danach besser entspannen.
– Muskeln, die mindestens 10 Sekunden gedehnt werden, können besser entspannen.
– Körperregionen, die bewusst gemacht werden, können besser entspannen.
Hatha-Yoga geht über reine Muskelarbeit hinaus, indem es Atemtechniken und Meditationen integriert. Diese Kombination entspannt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Dabei kommt es nicht so sehr auf eine spezielle Technik oder Asana an – praktiziere einfach, was dir gut tut. Auch andere Bewegung hilft natürlich 🙂

2 Geistige Ebene: Meditation für Klarheit
Veränderungen wirbeln unseren Geist auf, er springt besorgt in die Zukunft oder nostalgisch in die Vergangenheit, aber selten bleibt er im Hier und Jetzt. Meditation hilft uns, den gegenwärtigen Moment bewusster wahrzunehmen und anzunehmen, so gewinnen wir Klarheit über die tatsächliche Wirklichkeit und unsere Handlungsmöglichkeiten. Viele Yogastellungen fördern zudem geistige Eigenschaften wie Mut, Geduld und Selbstbewusstsein, die uns in Veränderungsprozessen stärken. Mach es dir nicht zu kompliziert, meditieren soll nicht noch eine Herausforderung sein. Starte einfach mit ein paar Minuten ruhigem Sitzen, ohne Input vom Handy, Internet & Co. Das bringt schon sehr viel.
3 Emotionale Ebene: Atemtechniken für Balance
Der Atem ist eng mit unseren Emotionen verbunden. In stressigen Situationen atmen wir flach oder halten den Atem an. Durch langsames, tiefes Atmen aktivieren wir den Parasympathikus, der uns unterstützt zur Ruhe zu kommen. Atemübungen sind eine einfache und effektive Methode, um emotionale Balance zu finden. Es gibt auch spezielle Meditationen, die uns helfen, emotionale Vorgänge bewusst wahrzunehmen und weniger stark davon überrollt zu werden. Auch hier gilt: Einfachheit gewinnt. zum Beispiel der quadratische Atem: 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden ausatmen. Und dabei in den unteren Bauch atmen, weniger in die Brust.
4 Spirituelle Ebene: Sinn und Dankbarkeit
Gerade intensive und schmerzhafte Veränderungen regen uns oft dazu an, nach tieferem Sinn zu suchen. Für mich öffnete sich dieses Tor, als meine Mutter plötzlich verstarb. Im Yoga habe ich philosophische Ansätze gefunden, um mich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens (und Todes) zu befassen. Die Vedanta-Philosophie zum Beispiel lehrt, dass die Welt eine Illusion ist.
Als Umweltwissenschaftlerin würde ich dies vielleicht so ausdrücken: Unsere Wahrnehmung der Welt ist eingeschränkt und subjektiv. Unsere Sinnesorgane übermitteln uns nur einen Teil der wahren Welt (Realität), bestimmte Aspekte wie einige Lichtspektren und Tonfrequenzen können wir gar nicht wahrnehmen. Unser Gehirn verarbeitet zudem die Signale und kombiniert sie mit Erfahrungen, Werten und Emotionen, was zu einer, sagen wir mal subjektiven (verzerrten) Wahrnehmung der Realität führt. Es gibt also einen Unterschied zwischen der Realität, die uns umgibt, und der Wirklichkeit, die wir subjektiv erleben.
Das bewusst zu machen ist sowohl Yoga als auch Wissenschaft, dadurch können wir unsere Denkweise und Sichtweise auf die Welt, das Leben und auf uns selbst verändern.
Praxis-Tipps für den Alltag
Du kannst mit einfachen Übungen beginnen, um Veränderungen besser zu bewältigen:
– Rückbeugen wie die Kobra (Bhujangasana) oder der Fisch: Öffnen die Herzregion und stärken das Selbstvertrauen. Sie symbolisieren das Aufrichten nach schwierigen Zeiten.
– Vorbeugen wie Paschimottanasana: Diese Haltung wirkt beruhigend und hilft beim Loslassen, sowohl körperlich als auch mental.
– Balancehaltungen wie der Baum (Vrikshasana): Stärken unsere Fähigkeit, auch in unsicheren Zeiten das innere Gleichgewicht zu bewahren.
– Atemtechniken: langsam und bewusst in den Bauch atmen kannst du überall (sogar unbemerkt) praktizieren. Schon ein paar Minuten helfen.
– Meditation: Setze dich täglich für 5 Minuten ruhig hin und nimm wahr, was ist. Beginne vielleicht mit einer Asana wie der Vorbeuge, um den Prozess des Loslassens zu unterstützen.
Die regelmäßige Praxis dieser Techniken kann helfen, Veränderungen mit mehr Gelassenheit zu begegnen. Aber die wichtigste Übung ist das Loslassen von Ansprüchen und Erwartungen an einen selbst, an andere und an das Leben. So wird weder eine ungewollte Veränderung noch der Vorsatz, sich mehr dem Yoga zu widmen zu einer zusätzlichen Stressquelle!
Fazit
Yoga bietet philosophische Ansätze aber auch ganz praktische Möglichkeiten, um inneren Frieden zu kultivieren und Veränderungen als Teil des Lebens zu akzeptieren.
Es grüßt dich herzlich
Lisa Kanti Devi
